Embrace the Suck

Eine Untersuchung von impliziten Macht-Strukturen, subtiler Alltags-Diskriminierung und Möglichkeiten des Empowerments

Die Phrase embrace the suck stammt aus dem Führungskräfte-Ratgeber Dare to Lead von der Wissenschaftlerin, Bestseller-Autorin und Ted-Talk-Größe Brené Brown. Neben der Einleitung des Buches steht in großer Schrift You can’t get to courage without rumbling with vulnerability. Und darunter steht etwas kleiner embrace the suck.

Es ist schwer zu übersetzen; heißt jedoch sinngemäß: Wir müssen uns den schweren oder unangenehmen Themen, Gesprächen und Situationen stellen, um eine wirklich offene Atmosphäre zu schaffen. Wir dürfen die unangenehmen Themen nicht umschiffen; Wir müssen sie integrieren. Das braucht Mut und eine Bereitschaft zur Vulnerabilität.

Die Heiligen drei Königinnen sind im Supermarkt und es geht…? natürlich um die Wurst! Ist ja klar.

Kostümbildner Roland und Sven Rudat, der dynamische Newcomer-Regisseur, haben die Schauspielerinnen Helen, Elke und Haruki in den Grundfarben gekleidet:

RGB – wie die Farben, aus denen alles entsteht.

Und die Farben von Lidl.

Dramaturgin Astrid Schwarz steht ganz hinter der political message des Textes, das Komponist*innen Duo Laurenz und Larissa Lorenz schafft zauberhafte Atmosphären (aka immersive Klangkunst) und Techniker Steff macht einen guten Job. Dennoch ist die Theatergruppe dauernd im Konflikt… aber was soll’s! Es geht ja schließlich um die Wurst!

Und alles hat ein Ende. (Alles?)

Doch dann stehen wir plötzlich am Anfang: Der Zauber ist weg.

Die Inszenierung ist auch weg. Was kommt jetzt?

Ohne dass Betroffene über Diskriminierungserfahrungen sprechen, kommen wir nicht weiter. Aber die Entscheidung die eigene Geschichte zu teilen, muss jede selbst treffen. Wir müssen für uns selbst sprechen dürfen aber wir müssen auch für uns selbst sprechen wollen.

Welche Zuschreibungen können wir ablegen und welche nicht? Wer kann mit wem die Rolle tauschen und wer kann es mit wem eben nicht? An welchen Stellen entscheidet wer, was nicht in Ordnung ist, wer was darf und wer wer sein darf, soll oder muss?

Dafür spielt der Abend mit den künstlerischen Prinzipien der Rolle und der Inszenierung. Mit dem Zustand des Unbehagens und Misstrauens und der Erwartungshaltung des Publikums und mit der Freiheit der Künstler*innen. O-Töne aus sensiblen Interviews mit dem Team werden mit bildgewaltiger Performance Art gepaart.

power over beschreibt ein Weltbild, in dem Menschen dadurch an Macht/Kraft gewinnen können, dass andere Menschen weniger Macht/Kraft besitzen. Es liegt also ein endliches Bild von Macht/Kraft zugrunde.

power with geht hingegen von Macht/Kraft als einer unendlichen Ressource aus und davon, dass wir Macht/Kraft gemeinsam erschaffen können.

Embrace the Suck dekonstruiert den Theaterabend selbst als Beispiel für Strukturen, in denen Regeln, Rollen, Machtverhältnisse sowie Zuordnung und Aufteilung von Räumen stattfinden.

Wir versuchen nicht zu verändern, wir akzeptieren und halten, was ist.

Content Note – Hinweis zu sensiblen Inhalten: In dieser Theaterperformance werden körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt, Tod, Rassismus, Sexismus, Homo-/Inter-/Transfeindlichkeit, Klassismus und weitere Diskriminierungsformen sowie Privilegien thematisiert.

Wir haben "ETS" 8x gespielt in/am/bei:

Barnes Crossing Köln, FFT Düsseldorf, HochX Theater München

Credits

Besetzung

Haruki: Hicran Demir

Elke: Elisa Oehme

Helen: Naomi Abukha

Sven Rudat: S. Rudat

Astrid Schwarz: Nina Weber

Laurenz Lorenz: Jakob Lorenz

Larissa Lorenz: Theresa Hupp

Steff: Jan Widmer

Funktionen

Regie & Künstlerische Leitung: S. Rudat

Dramaturgie & Produktionsleitung: Nina Weber

Sound & Audiokomposition: Jakob Lorenz

Visuelle Kommunikation & Ton: Theresa Hupp

Licht & Technik: Jan Widmer

Kostüm & Bühnenbild: Johannes Frick, Dorothea Mines

Produktionsassistenz: Elisabeth Helene Sperfeld

Theaterautorin: Anah Filou

Recherche Masken & Material: Luzie Ackers

Fotografie: Oliver Stroemer

Eine Produktion von S. Rudat & das (i)dentityteam in Koproduktion mit Barnes Crossing Köln und FFT Düsseldorf. 

Gefördert durch die Konzeptionsförderung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die Kunststiftung NRW und die Stadt Köln.



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